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Learningfromlasvegas > LEGOversusPlayMobil r17 - 25 Apr 2006 - 21:31:26 - BoLee
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Gastbeitrag von der Kabal ®

Objekte von Aaron König

Learningfromlasvegas freut sich über diese ausführliche Stellungnahme zum Thema Baustoffe und Architektur. mehr von der Kabal ® gibt es hier: der Kabal.

Learning from Las Vegas

Oder Lego versus Play Mobil

Die These das Wiesbaden von Las Vegas lernt versus verliert- lässt sich meiner Meinung nach treffend darstellen wenn man als Hilfskonstrukt die Strukturen des Spielzeugs insbesondere Lego sowie Playmobil heranzieht. Spielzeug hat dabei den entscheidenden Vorteil das es die vorherrschenden Strukturen vereinfacht darstellt und abstrahiert. Der Zauber der neuen Architektur, der neuen Gestaltung wird somit trefflich als Mummenschantz enttarnt der sich nur am Fundus von altbewährten neu aufzuladen versucht.

Beginnen wir mit einem kurzen Exkurs über Lego:

legohaus1.jpgDas Unternehmen wurde 1932 vom dänischen Tischlermeister Ole Kirk Christiansen gegründet. Es stellte anfangs Holzspielzeug her. 1934 erfand er den Namen "LEGO" als Abkürzung für leg godt, dänisch für spiel gut.
1949 wurden LEGO-Steine eingeführt, die den heutigen Steinen bereits ähnelten. Es handelte sich um farbige Kunststoffquader aus Celluloseacetat, deren Oberseite wie bei den heutigen Steinen mit Noppen besetzt waren, deren Unterseite jedoch völlig hohl war, was dazu führte, dass aus diesen Steinen gebaute Modelle nicht besonders stabil waren. 1958 wurde dieses Problem beseitigt, indem an der Unterseite der Steine hohle Röhren angebracht wurden. Dieses System setzte sich durch und wird noch immer verwendet.
Die Produktpalette wurde ständig erweitert, etwa durch Platten und Schrägdach-Teile, später um Räder, transparente Steine und Figuren. Heute gibt es Tausende verschiedene Bauteile (wie etwa LEGO Technic), nach wie vor können aber alle auf irgendeine Weise miteinander kombiniert werden.
Seit ihrer Einführung 1949 sind LEGO-Steine in allen Varianten in erster Linie Teil eines Systems gewesen. LEGO-Steine aus dem Jahr 2005 passen trotz aller Änderungen in Form, Farbe und Design noch immer mit den Steinen aus 1963 zusammen. 2004 wurde erstmals eine gravierendere farbliche Anpassung vorgenommen, und zwar eine Änderung des Farbtons hellgrauer, dunkelgrauer und brauner Steine.
Die Steine, Achsen, Figuren und alle anderen Elemente im LEGO-System werden mit hoher Passgenauigkeit hergestellt. Wenn sie zusammengesteckt werden, müssen die Steine genau das richtige Maß an Haftung haben. Sie müssen so lange zusammen bleiben, bis sie absichtlich auseinandergezogen werden. Sie dürfen nicht einfach auseinanderfallen, sonst wären die LEGO-Kreationen instabil. Um diese speziellen Eigenschaften zu erreichen, werden die LEGO-Elemente mit einer Toleranz von nur zwei Mikrometern hergestellt.
Seit 1963 werden Legosteine aus dem Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) hergestellt. Präzisionsbearbeitete Formen und eine Kontrolle durch menschliche Prüfer sollen unzulässige Schwankungen der Farbe oder der Wandstärke der Bauteile verhindern.
Abgenutzte Formen werden in den Fundamenten von Gebäuden eingegossen, um zu verhindern, dass sie in die Hände der Konkurrenz fallen.“
Dies erinnert an das Recycling von angeblich hochwertigen Rohstoffen die zu solch wichtigen Utensilien wie Parkbänken oder Blumentöpfen umgearbeitet werden ( > ohne den Gedanken vertiefen zu wollen)

Die Häuser- und Fahrzeugbausätze passten zunächst thematisch alle in eine moderne Stadt. 1979 wurde die Serie Space, die etwa Bausätze für fiktionale Raumschiffe beinhaltete, aufgelegt. Ihr folgten Serien mit Themen wie Mittelalter oder Piraten. Mit der Serie Belville wurde 1994 versucht, jenen Mädchen LEGO näherzubringen, die sich nicht für das herkömmliche Bauklötzchen-System interessierten.
Das bedeutet: jede moderne Stadt lässt sich mit Lego im Bausatzsystem nachbilden. Diese These lässt sich beim Blick auf den Bau von realen Häusern schnell verifizieren. Häuser und Wohnungen gleichen Kästen; mal kleiner mal größer, mal mit mehr Fenster mal weniger, mit Wasseranschluß oder ohne > jedenfalls immer Kästen. Es existieren Flach- oder Spitzdächer mit allen Schattierungen (und es sind nicht mal viele Varianten) aber sie beschützen nur Kästen vor dem Regenschauer. Seit mindestens der Römerzeit erbaut man sich Kästen in unterschiedlichen Größen um darin zu leben. Der Baustoff Beton seit der Neuzeit Beton, Backstein, Stahl und Glas brachten die Architekten nur dazu die verschiedenen Kästen unterschiedlich anzuordnen.

Jetzt ein kurzer Exkurs Beton:

Im Römischen Weltreich erlebte die Betonbauweise ihre erste große Blütezeit. Zu dieser Zeit hieß der Beton noch Opus Caementitium. Noch heute gut erhaltene Bauwerke wie z.B. Wasserleitungen, Aquädukte, Thermen, Amphitheater und grandiose Tempelbauten zeugen von dieser schon damals revolutionären Bauweise. So ist Rom zur Ewigen Stadt, nicht nur im übertragenen Sinn, geworden, sondern - wie ein englischer Autor im 19. Jahrhundert feststellte - ganz konkret wegen der Haltbarkeit seiner Bauwerke.
Eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte ist das Pantheon in Rom. Es bietet sich uns heute ohne nennenswerte Veränderungen und Ausbesserungen in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand dar. Die gewaltige Kuppel mit einem Durchmesser von rund 43 m und der Zylinder bestehen aus römischem Leichtbeton. Bis zum Bau der Jahrhunderthalle in Breslau im Jahre 1912 war sie über fast 2000 Jahre (!) die weitestgespannte Massivkuppel der Welt.
Was ist nun das Geheimnis dieser dauerhaften Bauweise? Es ist das Puzzolan, das in Verbindung mit Kalk ein wasserfestes, hydraulisches Bindemittel ergibt und den Baustoff Beton so leistungsfähig und dauerhaft gegen die Witterungseinflüsse macht. Ein treffliches Beispiel hierfür ist das künstlerisch und technisch vollendete Aquäduktlegohaus2.jpg Pont du Gard bei Nimes. Der auf der Oberkante verlaufende Wasserkanal ist noch völlig erhalten. Es besteh aus römischem Beton.
Rom zerbrach, seine Bauten blieben. Mit dem Untergang des Römischen Weltreiches im 5. Jahrhundert ging auch die römische Betonbauweise verloren.
Die Wiedergeburt des Betons unserer Zeit wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in England durch die Erfindung des Portlandzements eingeleitet. Sein Durchbruch als konstruktiver und eigenständiger Baustoff gelang kurze Zeit später in Frankreich durch die geniale Erfindung des Eisenbetons. Diesem beliebig formbaren, dauerhaften und wirtschaftlichen Baustoff eröffnete die beginnende Industrialisierung Europas ein weites Anwendungsfeld. Ein neues Zeitalter des Bauens beginnt.

Dieses Bauen beschränkte sich allerdings nur auf Zweckbauten wie z.B. Werften, Brücken, Fabriken usw. . Eine Ausnahme bilden die Hochhäuser die zwar neu in ihrer gigantomanischen Höhe aber nicht in ihrem Prinzip des Kästchenbaus sind.

Der Eisenbeton - später Stahlbeton genannt - wurde durch den Spannbeton ergänzt. Etwa 90 % aller Betonbrücken nach dem Zweiten Weltkrieg sind Spannbetonbrücken. Im Streben, dem spröden Baustoff Beton duktile Eigenschaften zu verleihen, entstanden der Faserbeton und neuerdings der Textilbeton.
Die Verarbeitung des Betons war früher sehr mühsam. Der Gussbeton brachte wohl eine gewisse Erleichterung, aber auch durch den hohen Wasserbedarf eine wesentliche Verschlechterung der Qualität. Die größten Fortschritte wurden hier durch den Betonrüttler und die hydraulische Betonpumpe erzielt. Der Wunsch nach leicht verarbeitbaren Frischbetonen hoher Festbetonqualität führte dank Zusatzmittel zum Fließbeton und dem sich selbst verdichtenden Beton. Ohne Verdichtungsarbeit fließt er von selbst in jede Ecke der Schalung, auch bei dichter Bewehrung. Ganz besondere Bedeutung kommt dem Transportbeton zu.
Ebenso haben sich die Eigenschaften des Betons in vielfältiger Weise entwickelt. Zu welch hoher Leistung Beton z.B. im Hinblick auf die Festigkeit fähig ist, demonstrieren die Bauten aus hochfestem Beton. Neben lastabtragenden Aufgaben hat Beton schon früh abdichtende, schützende und andere Funktionen übernommen. In weiten Bereichen hat die Weiße Wanne aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton) die Schwarze Wanne verdrängt.
Portlandzement ist der Hauptleistungsträger an der Entwicklung des Betons. Die Voraussetzungen für die Herstellung des Zements schuf Mitte des 18. Jahrhunderts der Engländer Smeaton. Er fand heraus, dass ein gewisser Gehalt an Ton dem gebrannten Kalk hydraulische, d.h. wasserfeste Eigenschaften verleiht. Erst 70 Jahre später, 1824, meldete Joseph Aspdin sein Erzeugnis mit der Bezeichnung Portland-Cement zum Patent an. Den ersten echten, industriell gefertigten Portlandzement im heutigen Sinne stellte wohl erst sein Sohn William zusammen mit Johnson im Jahre 1843 her. Diese Erfindung verbreitete sich auch schnell auf dem Kontinent in Frankreich und Deutschland. Hier war es Bleibtreu, der 1855 das erste Zementwerk in Züllchow bei Stettin errichtete. Weitere Zementwerke entstanden kurz danach an Rhein und Neckar.
Die an der Oberfläche des Zementkorns bei Vorhandensein von Wasser einsetzende Reaktion führt zu langfaserigen, ineinander verschlungenen Calciumsilicathydraten, die in erster Linie für die Festigkeit und Dichtheit des Betons maßgebend sind. Dabei wird Calciumhydroxid freigesetzt, das wasserlöslich ist und praktisch keinen Festigkeitsbeitrag leistet. Dafür übernimmt es aber eine für den Stahlbeton lebensnotwenige Aufgabe, nämlich den Korrosionsschutz der Bewehrung. Ohne diesen Glücksfall der Natur wäre Stahlbeton, so wie wir ihn heute kennen, nicht möglich. Hier wird die gelungene Symbiose bei Stahlbeton deutlich: Der Stahl bringt seine hohe Zugfestigkeit ein und der Beton schützt ihn gegen Korrosion und Feuer.
Wird dem Beton ein Puzzolan, wie z.B. Flugasche oder Silicastaub, zugegeben, so reagiert deren amorphe Kieselsäure SiO2? sekundär mit dem Calciumhydroxid. Es entstehen weitere festigkeitsbildende Calciumsilikathydrate. Auf diese so genannte Puzzolanreaktion ist zum Teil die günstige Wirkung von Flugasche und Silicastaub auf die Eigenschaften von Beton zurückzuführen. Sie ist aber auch der Grund für die Dauerhaftigkeit des römischen Betons.

Waren im Altertum noch die Ressourcen knapp um neben den repräsentativen Bauten genug Material für normale Wohnungsbauten zu haben (eine Situation die sich scheinbar Anfang des 19. Jhr. wiederholen sollte) >:

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in Folge der industriellen Revolution auch langsam die Anforderungen und die Mittel des Bauens zu verändern. legohaus3.jpg Durch Landflucht und neue Arbeitsstrukturen entstand ein wachsender Bedarf an neuem Wohnraum, der befriedigt werden musste. Zugleich wurden Materialien wie Eisen, Glas und später Beton immer beliebter und besser nutzbar. Neue Bautechniken setzten sich durch: Stahlguss, Eisenskelettbau, große Glasrasterflächen und vorgefertigte Bauelemente. Sie brachten neue konstruktive und gestalterische Anforderungen mit sich.
Wurden die neuen Techniken zuerst im konstruktiven Ingenieurbau eingesetzt, so verwendete man sie bald auch im Gebäudebau. 1851 setzte Joseph Paxton in seinem Crystal Palace in London erstmals Stahl-Glas-Rahmen-Fertigteilkonstruktionen ein. Gustave Eiffel zeigte 1887 mit dem Eiffelturm in Paris die Möglichkeiten der Eisenskelettkonstruktion.

Der Verweis auf die Besonderheiten des Bauens unterstützt nur meine These das außerhalb der Kästchenbauweise nur die Integration der Erfindungen von Strom und Elektrizität evtl. + dem Einbaukästchen innenliegendes Bad oder Klo) die Bauweise verändert hat. Dies berührt selbstverständlich nicht die Automatisierung von Herstellungsabläufen bei der Herstellung von Häusern.

In der Chicagoer Schule wurden die Techniken erstmals im größeren Stil beim Bau von Wohn- und Bürogebäuden angewandt. Louis Henry Sullivan postulierte 1890 mit form follows function einen Satz, der später zur Grundlage des Neuen Bauens werden sollte. In Europa nutzte Auguste Perret als einer der ersten Architekten die Vorteile der Eisen-Beton-Bauweise im regulären Wohnungsbau.
Auch in Deutschland erkannten Architekten die vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Techniken mit sich brachten und versuchten, daraus ein Neues Bauen zu entwickeln. Im 1907 Deutschen Werkbund vereinigten sich Architekten mit dem Ziel, dem Maschinenzeitalter entsprechend funktionsgerecht zu Bauen, ohne historisierende Rücksichten nehmen zu müssen und unter Einsatz moderner Materialien.

Selbst ein Architekt mit sozial-politischen Ansatz wie Walter Gropius vermochte nur die adäquate Verteilung von Kästchen für die arbeitende Bevölkerung zu fordern (was natürlich seine Richtigkeit hatte)

"Die neue Zeit fordert den eigenen Sinn. Exakt geprägte Form, jeder Zufälligkeit bar, klare Kontraste, ordnende Glieder, Reihung gleicher Teile und Einheit von Form und Farbe werden entsprechend der Energie und Ökonomie unseres öffentlichen Lebens das ästhetische Rüstzeug des modernen Baukünstlers werden."
Die drängenden sozialen Probleme und das Bedürfnis, massenhaft Wohnraum zur Verfügung stellen zu müssen, ließ Gleichgesinnte versuchen, die funktionalen und gestalterischen Anforderungen mit den sozialen Problemen zu verknüpfen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in Deutschland zu großen politischen Umwälzungen mit weitreichenden Auswirkungen und 1919 begannen Bruno Taut, Walter Gropius und Hans Scharoun im geheimen Briefwechsel Die gläserne Kette die sozialen Aspekte des Neuen Bauens zu diskutieren.
Walter Gropius 1913

Noch deutlicher wird dieser Anspruch wenn man sich die Prinzipien des neuen Bauens anschaut :

Das Neue Bauen setzte konsequent auf die neuen Materialien Glas, Stahl, Beton und Backstein. Damit ließen sich vor allem einfache Formen und deren Dekomposition realisieren: einfache kubische Formen, ineinandergeschobene Raumvolumen, freistehende Wandscheiben und kühne Auskragungen.

Die neue Architektursprache folgte dem ökonomischen Grundprinzip:

  • Soziale Ökonomie: Die Wohnungsnot und der daraus resultierende Massenwohnungsbau zwingen zur Kargheit der Formensprache, Dekorationen und Ornament wurden dabei als Verschwendung angesehen.
  • Konstruktive Ökonomie: Die Reduktion tragender Teile auf einzelne Punkte und Flächen erlaubt ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten - es ergeben sich freiere Formen bei weniger konstruktivem Aufwand.
  • Stilistische Ökonomie: Der formale Rigorismus und die klare asketische Form repräsentieren Allgemeingültigkeit und Objektivität und stellen ein künstlerisches Ziel dar.

Auf diesem Fundament der Erstellung von Wohnungskästen wird und wurde in der Bundesrepublik (natürlich auch in der DDR > vgl. Plattenbauweise:
Starke Verbreitung fanden die Plattenbauten nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1960er bis in die 1980er Jahre in der DDR und anderen realsozialistischen Staaten als Form des industriellen Wohnungsbaus unter Anlehnung an die Bauhausarchitektur. Auch in Staaten wie den USA, Großbritannien, Frankreich oder der BRD wurden und werden nach wie vor größere Wohnbauten, Bürohochhäuser, Industriebauten und andere Großbauten aus vor Ort oder werkseitig gegossenen Betonplatten und aus vorproduzierten Fertigteilen wie Glasfronten, Fassadenplatten und Betonfertigteilen aufgebaut. Der in der BRD gebräuchliche Begriff für Plattenbauten ist "Bauten in Großtafelbauweise". Prominentes Beispiel ist das Hansaviertel im damaligen Westteil von Berlin. In der Schweiz werden Plattenbauten als "Bauten in Elementbauweise" bezeichnet. Hier sind vor allem die "Göhnerbauten" bekannt.
Der Begriff Plattenbau wird häufig abwertend gebraucht. Insbesondere durch die fabrikmäßige Herstellung können auch Plattenbauten eine gute Qualität haben, sofern der notwendige Unterhalt durchgeführt wurde und man von der oft mangelhaften Wärmedämmung absieht.

Eine inhaltliche Änderung der Bauweise wurde bisher nicht vollzogen. Der Wandel der Wohnungsbauten durch Veränderung der Fassaden > durch Aufhübschung um die Verkaufspaläste den Ruch des Kastens zu nehmen schlägt sich wieder in dem Spielzeug Play Mobil. Hier wird nicht mehr auf die Substanz eines Hauses geachtet; 4 Wände + Fenster + Tür/en + Dach > hier geht es nur noch um Fassade hinter der nach der jeweiligen Fassadendeko gespielt wird. Exemplarisch lässt sich das schön in Las Vegas begutachten: hinter jeder Fassade (egal ob Pyramide oder Seeräuberschiff) findet sich der riesige Kasten mit Spielautomaten. Ist man erst einmal durch die Fassade geschritten sieht man die gleichen trostlosen Spielhallen wie überall !!!

Kurzer Exkurs Playmobil:

1974 wurde Playmobil als Kind der Ölkrise auf den Markt gebracht. legohaus4.jpg An dem System-Spielzeug Playmobil hatte Hans Beck (* 6. Mai 1929, lebt am Bodensee, seit 1998 imRuhestand) zwar seit 1971 als einziger Entwickler gearbeitet, doch erst als die steigenden Ölpreise den Kunststoffpreis verzehnfachten, wagte man die Markteinführung, denn jetzt wurden die damals von geobra produzierten Großkunststoffartikel (Deckenverkleidungen, Kindermöbel etc.) völlig unrentabel; für die kleinen Figuren hingegen brauchte man wesentlich weniger des teuren Rohstoffs.
Mit Playmobil marschiert geobra Brandstätter seit der Vorstellung auf der Nürnberger Spielwarenmesse 1974 auf einem Erfolgskurs, für den es in der deutschen Spielwarenbranche keinen Vergleich gibt. Den ersten Spielwelten Baustelle, Wilder Westen und Ritterzeit folgten mittlerweile über 20 verschiedene Themen mit umfangreichen Zubehör. 1976 kamen weibliche Figuren dazu, Kinder und Babys wurden erstmals 1981 bzw. 1983 verkauft. Bis jetzt wurden bereits rund 1,8 Milliarden Playmobil-Figuren hergestellt, die hintereinander stehend aufgereiht beinahe die Erde umrunden würden.

Diese Fassadenarchitektur von Playmobil ist heute bestimmend für das Bild der Einkaufspassagen. Während die Wohnviertel ihre Kastenstrukturen durch Wintergärten, willkürliche Säulen oder ähnliches aufzulockern versuchen gehen die Einkaufsstraßen den Weg das durch attraktive Fassaden-Architektur genug Leute neugierig werden um in die Einkaufskästen gelockt zu werden. Ein Abreißen oder Umbau erfolgt nur um die Kästen zu vergrößern oder durch Licht = Fenster aufzulockern (siehe ex-Hertie Wiesbaden) . Diese Art von Architektur ist so fest im 19. Jhr. verwurzelt das sie die Neuerungen der digitalen Welt > das Moment des Interaktiven > die Möglichkeiten des ständigen digitalen Datenstromes > der Vernetzung und dem Austausches untereinander vollkommen ignoriert.

Deshalb weiß ich das die so sehnlich herbeigesehnte Fassadenarchitektur- das Abrissobjekt von morgen sein wird.

Nieder mit der Kästchenwohnung!

-- BoLee - 24 Apr 2006

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